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LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Schuld und Scham – alles andere als peinlich!

Schuld und Scham – alles andere als peinlich!

Prof. Dr. Stephan Herpertz, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, ist seit vielen Jahren Gastgeber der in der Fachwelt angesehenen wissenschaftlichen Tagungsreihe. (Foto: kleine Holthaus/LWL)

Symposium der LWL-Universitätsklinik Bochum für Psychosomatische Medizin mit Vertretern verschiedener Disziplinen über ein Tabu-Thema vor ausgebuchtem Haus

Bochum (lwl).  Zwei der wichtigsten Affekte des Menschen sind Thema des diesjährigen 27. Wissenschaftlichen Symposiums für Psychotherapie der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): „Schuld und Scham“ am 8. und 9. November 2019 im Kunstmuseum Bochum. Mediziner, Psychologen, Theologen, Philosophen und Literaturwissenschaftler verschiedener deutscher Hochschulen, Kliniken und Institute kommen zusammen, um über die zwiespältigsten Gefühle der Menschheit zu reden und zu diskutieren.

„Hoch emotional, konfliktbeladen und in der Wirkung zumeist würdelos – so könnte man die beiden Affekte Schuld und Scham umschreiben“, so Klinikdirektor Prof. Dr. Stephan Herpertz über das diesjährige Leitthema seines Symposiums. „Hier geht es um Gefühle, die in erster Linie viele Probleme verursachen und im mitmenschlichen Umgang sehr hinderlich sind. Gleichzeitig erfüllen sie für das eigene Handeln auch eine Schutzfunktion und setzen Grenzen.“

In therapeutischen Sitzungen berichten Patientinnen und Patienten regelmäßig von Scham und Schuld, die unbehandelt in ein Schweigen gipfeln. Oft geht es um Familiengeheimnisse und schwierige Lebenssituationen, die tiefe Schuld- und Schamgefühle auslösen. Seit einigen Jahren ist jedoch auch eine Abkehr von Schuld und Scham zu beobachten. „Tatsächlich macht sich unter dem Einfluss der neuen Medien und mit einhergehender Anonymisierung eine gewisse Schamlosigkeit breit, übergriffiges Handeln wird toleriert“, beschreibt Stephan Herpertz die gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Veränderungen. „Dies erschwert den gesellschaftlichen Dialog, polarisiert und kann zu Extremhandlungen führen.“

Das Themenprogramm des zweitägigen Symposiums ist sehr vielseitig und lässt nichts aus: Die Vorträge reichen von Schuld und Scham in politischer und kultureller Hinsicht,  über die männliche Scham, die Scham in Kindheit und Jugend bis hin zu Schuld und Scham im therapeutischen Alltag. Die Referentinnen und Referenten, die aus ganz Deutschland anreisen, sprechen vor ausverkauftem Haus.

 

Alle Vorträge in Kürze

  • „Das Zeitalter der Schuld“ – Maria-Sibylla Lotter
  • „Schuldlos? Schamlos? Macht…?“ – Diana Pflichthofer
  • „Die Scham-Schuld-Verschiebung“ – Klaas Huizing
  • „Was macht den männlichen Rollenkäfig so stabil?“ – Matthias Franz
  • „Die Bedeutung und Entwicklung der Scham in Kindheit und Jugend“ – Bettina Schuhrke
  • „Die Bedeutung von Schamaffekten im (psycho)therapeutischen Alltag“ – Micha Hilgers
  • „Wa(h)re Scham“ – Alexandra Pontzen
  • „Vom Drama der Scham“ – Konrad Schüttauf
  • „Psychotherapeutische Interventionen für den Praxisalltag“ – Maren Lammers
  • „Erleben von Schuld und Scham bei Patienten mit Krebserkrankung“ – Iris Magdalena Sossalla
  • „Sehen und Gesehenwerden“ – Heinz Weiß